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Arbeitsbericht Tierknochen 2014

Arbeitsbericht Tierknochen 2014-07-23

Günther Karl Kunst

Während des Aufenthaltes im Grabungshaus Oymaagac vom 2.7. bis 23.7.2014 konnten die Arbeiten am 2012 begonnenen Material aus Quadrant 7685 abgeschlossen sowie die Tierknochenkollektionen aus den Quadranten 7488 und 7588 bearbeitet werden. Insgesamt gelangten dabei 3716 Tierknochen und -zähne sowie vereinzelte Molluskenschalen mit einem Gesamtgewicht von 13878,8g zur Untersuchung. Die folgenden Ausführungen nehmen noch keinen Bezug auf die stratigraphische Position und die kontextuelle Herkunft der Reste. Erst ein Einbeziehen dieser archäologischen Angaben wird das Informationspotenzial der Tierreste voll ausschöpfen können.

 

Quadrant 7685

In diesem Quadranten waren noch 20 Proben, die 478 Reste (2588,4g) enthielten, ausständig. Die Gesamtzahl der hier vorhandenen Tierreste beläuft sich nunmehr auf über 3700 Stück bzw. 10kg, was bereits die vorherrschende kleine Fragmentgröße in diesem Areal anzeigt. Unter den festgestellten Arten herrschen die Gruppen der wichtigen Wirtschaftstiere Hausrind (49 Stück/1456,5g), Schaf/Ziege (177/607,7g) und Hausschwein (41/226,4g) vor. Der Schweineanteil ist damit, im Vergleich zu den bisher untersuchten Bereichen, durchaus erheblich. Eine größere Anzahl von Knochen konnte nur den Größengruppen Rind (31/126,9g) und Schaf/Ziege-Schwein (148/145,8g) zugewiesen werden. Hierunter fallen, wie auch in den anderen Quadranten, vor allem Fragmente von Langknochen und Metapodien einerseits und von Plattknochen (Extremitätengürtel, Schädel- und Stammskelett) andererseits, die jeweils den Kategorien „Langknochen“ und „Plattknochen“ zugewiesen wurden. Unter den Wirtschaftstierresten sind Funde von umfassenden Rinderschädelteilen mit teilweise erhaltenen Hornzapfen aus Probe 32 bemerkenswert. Diese ließen sich, mit Vorbehalt, zwei Ochsen und einer Kuh zuordnen. Von einer außerordentlich großwüchsigen Kleinwiederkäuertibia aus Probe 53 (distale Breite 33,5mm) kann nicht ausgeschlossen werden, dass sie von einer Wildform, in diesem Fall eher von einer Wildziege, stammt.

Von den übrigen Haussäugetieren ist nur der Hund in zwei Proben mit je einem Rest vertreten. Dabei ist besonders ein Metacarpus 2 aus Probe 105 zu erwähnen, der deutliche Schnittspuren an seinem proximalen Ende aufweist. Damit ist nachgewiesen, dass am Hundekörper manipuliert, wahrscheinlich sogar Hundefleisch verzehrt wurde.

Unter den übrigen Arten sind Funde eines Hasenbeckens aus Probe 24 sowie das Teilskelett eines Wiesels aus Probe 58 zu erwähnen. Aus den Proben 32 und 53 liegt jeweils ein Zahn bzw. Knochen von einem Kleinsäuger vor. Equiden, Vögel, Amphibien und Reptilien sind in den verbliebene Proben  aus 7685 nicht nachweisbar. Aus Probe 72 wurde das Fragment eines Beinartefaktes (Kamm?) ausgesondert.

 

Quadrant 7488

Hier wurden 1647 Tierreste (4180g) aus 64 Proben kategorisiert. Bei vielen Kollektionen handelt es sich demnach um ausgesprochene Kleinproben, die nur wenige (unter 20) Reste enthielten. Auch hier stellen die Hauptwirtschaftstiergruppen Rind (95 Stück/1168,4g), Schaf/Ziege (435/1387,4g) und Schwein (34/163,2g) die überwiegende Mehrheit der Funde. Auf die Größengruppen „Rind“ entfallen 201 Fragmente (635,6g), auf „Kleinvieh-Schwein“ 860 Fragmente mit 768,4g.

Von den übrigen Haustieren ist der Hund mit 5 Resten aus insgesamt vier Proben vertreten. Abgesehen von einem Mandibelfragment aus Probe 90 handelt es sich dabei um sehr kleine Knochen- und Zahnfragmente. Die Equiden sind nur durch eine Eselphalanx aus Probe 21 belegt. Als einzige Wildsäugerart ist der Hase in vier Kollektionen mit jeweils einem Rest vertreten. Unter den übrigen Elementen treten nur Panzerreste von Schildkröten in Erscheinung. Aus drei Proben liegen immerhin 12 komplette Elemente und Fragmente vor. Allein aus den benachbarten Proben 71 und 72 sind zehn Teile vorhanden, die sich teilweise zusammenfügen ließen. Soweit erkennbar, können alle Funde auf eine Landschildkröte (wohl Testudo graeca) bezogen werden.

Die bearbeiteten Knochen umfassen Funde von Artefaktfragmenten (Spitzen und nicht näher bestimmte Objekte) sowie Werkstoffabfall. Mit neun Funden machen sie immerhin 0,5% des Materials aus. Das ist ein Hinweis darauf, dass viele der hier behandelten Proben aus Aktivitätszonen stammen und vorwiegend stark fragmentierte Nahrungsreste enthielten, was die relativ eintönige Zusammensetzung erklärt.

 

Quadrant 7588

Aus diesem Quadrant stammen Tierknochenkollektionen, die sich sowohl der Artenzusammensetzung als auch dem Erhaltungszustand nach von den bisher in Oymaagac untersuchten Proben unterscheiden. Unter anderem tritt der Hirsch erstmals in größerem Umfang in Erscheinung. Weiters sind Proben vorhanden, die umfassende Teile von Großtierknochen (Langknochen von Rind, Hirsch, Pferd) und komplette Elemente des Kleinviehs in gutem Erhaltungszustand enthielten. Immerhin weisen 14 Funde Gewichte von über 100g, und zehn weitere zwischen 50 und 100g auf.

Trotz der hohen Diversität machen auch hier die Reste der Hauptwirtschaftstiere den Großteil der insgesamt 1591 Tierreste (7110,4g) aus 39 Kollektionen aus: Rind 97 Reste (2733,6g), Schaf/Ziege 415 (1177,9g), Schwein 133 (911,9g). Das Schwein ist damit zahlenmäßig deutlich stärker als das Rind vertreten. 182 Fragmente (638,1g) gehören der Größengruppe Rind, 608 (613,4g) derjenigen der kleineren Wirtschaftstiere an.

Von den übrigen Haustieren ist der Hund in zwei Proben, das Pferd durch ein umfassendes Radius/Ulna-Fragment aus Probe 38 vertreten.

Vom Rothirsch liegen 14 Reste aus insgesamt sieben Proben vor. Bei sieben Resten handelt es sich um Elemente des postkranialen Skeletts, die übrigen Funde sind Geweihfragmente. Bemerkenswert erscheint ein Epistropheus aus Probe 23, der durchgehackt wurde. Die Geweihreste stammen sowohl von Abwurfstangen als auch von schädelechten Geweihen. Ein letzteres ist in Probe 71 vorhanden: hier liegen eine Geweihbasis mit Schädelanteilen sowie ein Stangenfragment vor, die beide deutliche Hackspuren aufweisen. Diese Geweihreste sowie einige weitere Elemente stammen von sehr großen Hirschen. Weiters können sieben Schweinereste aus drei Proben aufgrund ihrer Größe auf das Wildschwein bezogen werden. Es ist zu erwähnen, dass fünf dieser Knochen aus allen drei Proben Spuren von intensiver Hitzeeinwirkung zeigen. Vom übrigen Jagdwild ist der Hase nur mit zwei Knochenfragmenten belegt.

Den bemerkenswertesten Fund aus diesem Quadranten bildet aber der weitere Gelenksbereich von der Scapula eines großen Raubtieres aus Probe 1. Obwohl das Stück durch eine Serie von Hackspuren verändert wurde, kann es einem größeren, erwachsenen Braunbären zugeordnet werden.

Unter den bearbeiteten Resten ist neben einer Spitze und zwei Nadelfragmenten vor allem eine Grundphalanx von einem Schwein zu nennen, die in mehrere Richtungen durchbohrt wurde. Weiters sind noch zwei Stücke von Kleinwiederkäuerknochen vorhanden, die am ehesten als Werkstoffabfall oder Rohling anzusprechen sind. Mit sechs Nachweisen machen die bearbeiteten Knochen rund 0,4% aller Funde aus, was für die örtlichen Verhältnisse als ein durchaus beachtlicher Wert einzustufen ist.

 

 
 
 
Kategorie
Berichte 2014
Angelegt von
Dr. Günther Karl Kunst
Anlage
25.11.2014 10:41
letzte Änderung
20.03.2015 17:41
durch
Dr. Günther Karl Kunst
   
 

 

 

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