Artikel   =>  Arbeitsbericht Tierknochen 2013

Arbeitsbericht Tierknochen 2013

Bericht Tierknochen 2013-09-12

Günther Karl Kunst

 

Während des Aufenthaltes im Grabungshaus vom 29.August bis 13.September 2013 konnten 2978 Tierreste aus 51 Loci des Areals 7685 mit einem Gesamtgewicht von knapp 6,9 kg untersucht werden. Zusammen mit den bereits im Juli 2012 aus dieser Grabungsfläche untersuchten Tierresten liegen nun 3207 Reste aus 54 Loci bzw. Fundnummern von Areal 7685 vor, die zusammen 7636 g wiegen. Diese Relationen zeigen bereits, dass die Mehrheit der hier geborgenen Tierreste eher klein bzw. leicht ist, größere Fragmente bilden die Ausnahme. So erreichen nur zwei Reste, ein Humerusfragment vom Rind und ein Metacarpus von Equus Einzelgewichte über 100 g. Auch die Gewichtsgruppe von 50 bis 100 g ist nur durch acht Reste, darunter vorwiegend Rinderknochen, aber auch eine Schweinemandibel, belegt. Die überwiegende Mehrheit der Reste ist aber noch weit kleiner, mehr als die Hälfte der bestimmten Stücke weist Gewichte von unter 2 g auf.

Nur ein Teil der Reste konnte einer engeren taxonomischen Kategorie im Sinne einer Art oder Artengruppe (z.B. kleiner Hauswiederkäuer) zugewiesen werden. Es handelt sich hierbei um 1589 Reste mit einem Gesamtgewicht von 5863 g. Die zahlreichen, nicht eindeutig zuordenbaren Säugetierreste wurden entweder Elementgruppen (z.B. Wirbel, Rippen) zugeordnet oder auf die Kategorien „Langknochen“ und „Plattknochen“ (Gürtelelemente, Stammskelett, tw. Schädel), jeweils in den Größengruppen „Rind“ und „Schaf/Ziege – Schwein“ aufgeteilt. Besonders der Anteil der der Gruppe der kleineren Wirtschaftstiere zugeordneten Fragmente ist mit 1485 Stücken (1250 g) beträchtlich. Es ist davon auszugehen, dass die Mehrzahl dieser Reste von Schafen oder Ziegen stammt.

Die aus Areal 7685 bestimmten Tierreste werden im Rahmen dieses Vorberichtes als Gesamtheit angesprochen. Für eine weitere Auswertung ist selbstverständlich eine nach chronologischer Stellung und Befundtyp getrennte Betrachtung anzustreben. Aus der Tierknochenkiste 1 des Areals 7685 verbleiben noch 20 unbearbeitete Proben, die jedoch, mit Ausnahme eines umfassenden Rinderschädelfundes, in ihren wesentlichen Eigenschaften den hier behandelten Proben entsprechen dürften.

 

Tierartenzusammensetzung

Die meisten aus dem Areal 7685 vorliegenden Tierknochenproben erscheinen nach der Artenzusammensetzung, aber auch nach der Skelettverteilung, als ausgesprochen eintönig. Im Vergleich mit dem bereits untersuchten peripheren Areal 7389 ist eine noch stärkere Dominanz der kleinen Hauswiederkäuer zu verzeichnen. Deren Reste treten zudem in sehr ähnlicher Gestalt in vielen Proben auf. Gleichzeitig ist die Diversität noch niedriger, das Auftrete von seltenen Arten stellt, abgesehen von den Vögeln, eine noch stärkere Ausnahme dar. Dies ist aber keinesfalls als Defizit des Untersuchungsmaterials aufzufassen, sondern zeigt, als starkes „Signal“, vielmehr einen konstanten Anreicherungsprozess an, der auf wiederholte, strukturierte menschliche (Konsum)Handlungen zurückgeht.  

Artenzusammensetzung im Überblick

Hauptwirtschaftstiere: Fasst man die Gruppe der Hauptwirtschaftstiere Rind, Schaf/Ziege und Schwein als Bezugsgröße (numerisch N3 – Gewicht G3) auf, so errechnen sich die jeweiligen Anteile der drei Gruppen wie folgt: (% numerisch - % gewichtsmäßig): Rind: 8,2 – 31,9; Schaf/Ziege: 86,4 – 61,9; Schwein 5,3 – 6,3. Die Dominanz der Kleinwiederkäuer ist daher erheblich. Ihre Anteile betrugen im Areal 7386 nur 59% (numerisch) und 37,5% (gewichtsmäßig), dort entfielen mehr als die Hälfte der Gewichtsanteile auf das Rind (55,2%). Geht man davon aus, dass die Mehrzahl der bloß der Größengruppe Schaf/Ziege-Schwein zugewiesenen Tierreste hierher gehört, würde die Dominanz der Kleinwiederkäuer noch stärker ausfallen.

 

Taxon

Anzahl

Gewicht (g)

%NR3

%G3

Bos

123

1750,8

8,2

31,9

Ovis/Capra

1293

3401,9

86,4

61,9

Sus

80

343,8

5,3

6,3

Equus

4

138,1

0,3

2,5

Größe Rind

133

523,1

9,1

9,5

Größe Schaf/Ziege-Schwein

1485

1250,1

101,8

22,7

sonstige Säuger

7

7

0,5

0,1

Kleinsäuger

2

0,2

0,1

0,0

Homo

23

205,7

1,6

3,7

Vögel

10

9,1

0,7

0,2

Testudo

1

2,4

0,1

0,0

Amphibien

46

3,8

3,2

0,1

Total

3207

7636

 

 

Total ohne Größengruppen

1589

5862,8

 

 

 

Equiden: Nur vier Reste aus drei Loci stammen von Equiden. Die beiden Knochen aus 7685:32:4 sind ein Metacarpus mit einem zugehörigen Griffelbein, der teilweise Maultier-Merkmale aufweist. Ebenso ist eine Zuweisung zum Pferd möglich. Die übrigen Stücke erlauben keine nähere Bestimmung, aufgrund der Größe kommt vor allem das Pferd in Betracht.

Sonstige Säuger: Vier vermutlich zusammengehörige Rippen aus 7685:43:2 weisen die Merkmale eines mittelgroßen Raubtieres auf, in Betracht käme etwa ein kleinwüchsiger Hund. Der Haushund ist im Übrigen im Material ebenso wenig belegt wie eindeutige Verbissspuren. Eindeutig sind dagegen die Nachweise für den Hasen, von dem aus 7685:56:2 ein Fersenbein und ein Metapodium, aus 7685:141:2 das distale Fragment einer Tibia vorliegen. Die Wildsäugerarten Reh und Wildschwein, die im Areal 7389 vorhanden waren, sind hier nicht belegt. Wiederum fehlt der Rothirsch, der im gegebenen geographischen und zeitlichen Rahmen durchaus zu erwarten wäre. Die vorhandenen Beinartefakte scheinen auch nicht aus Cervidengeweihen angefertigt worden zu sein. Ob unter den, teilweise recht großwüchsigen, Rinderresten auch Vertreter der Wildform zu finden sind, ist anhand des beschränkten Materials derzeit nicht zu klären. Das gleiche gilt für das potenzielle Auftreten von Wildschafen.

Kleinsäuger: Die einzigen Nachweise von Kleinsäugern sind zwei paarweise symmetrische Oberarmknochen aus 7685:139:2, die wahrscheinlich von einem kleinen Nagetier stammen. Sie dürften das  Residuum eines Skelettes darstellen.

Menschliche Reste: Die 20 Nachweise von Menschenknochen verteilen sich auf 11 Loci, Häufungen traten in 7685:69:2 und 7685:147:6 auf. Mit Ausnahme eines Femurschaftes aus 7685:59:3 handelt es sich um kleinere Fragmente. Ihr Auftreten wäre mit allenfalls im Umfeld der Loci vorhandenen Bestattungen zu diskutieren.

Vögel: Aus acht Loci liegen insgesamt 10 Vogelreste vor. Eine genaue Bestimmung musste in Ermangelung einer Vergleichssammlung zumeist unterbleiben. Ein Femur und ein Tibiotarsus aus 7685:148:2 gehören wahrscheinlich zum gleichen Individuum und könnten von einem Haushuhn stammen. Fragmente von einem Coracoid und einen Tibiotarsus aus 7685:43:2 lassen sich jeweils einem größeren Entenvogel und einem Kranich zuordnen. Bemerkenswert ist der Fund eines winzigen unversehrten Tibiotarsus von einem Singvogel aus 7685:60:2.

Schildkröten: Das Fragment einer Bauchpanzerplatte aus 7685:130:2 ist mit einiger Sicherheit auf Testudo graeca zu beziehen.

Froschlurche: Aus zwei Loci liegen isolierte Funde von Knochen von Froschlurchen vor, in 7685:137:2 ist sogar ein unvollständiges Skelett von einer Kröte (wohl Bufo bufo, Erdkröte) überliefert.

Taphonomische Betrachtungen

Hier erscheinen besonders zwei Aspekte wesentlich, und zwar die Skelettverteilung des kleinen Hauswiederkäuers und der menschlichen Arbeitsspuren. Die Reste von Schaf und Ziege zeige ein deutliches Überwiegen von Fleisch tragenden Elementen wie Wirbel, Rippen und proximalen Langknochen. Die Mehrzahl der Knochen ist daher als Nahrungsabfall im engeren Sinn anzusprechen. Dabei deutet die Erhaltung von längeren Rippenabschnitten auf geschützte Einbettungsbedingungen. Eine Anreicherung von Zähnen und Zahnfragmenten, wie sie in stärker beanspruchten oder umgelagerten Vergesellschaftungen vorkommt, liegt nicht vor. Unter den nicht allzu häufig auftretenden Schnitt- und Hackspuren ist das Vorkommen von massiven Trennspuren erwähnenswert, die mehrfach an Wirbeln von Schaf und Ziege, aber auch an zwei Rinderwirbeln zu verzeichnen waren. Ein Halswirbel von einem Rind  aus 7685:139:2 weist sogar zwei zueinander senkrechte Spaltebenen auf. Damit ist indirekt der Einsatz von schweren Hackmessern bei der Schlachtkörperzerlegung belegt. Wahrscheinlich als Tötungsspur ist eine Konzentration von Schnittspuren an der Unterseite eines Atlas von einem Kleinwiederkäuer aus 7685:142:2 zu betrachten.

In 7685:133:2 war eine größere Anzahl von feuerbeeinflussten Knochen zu verzeichnen.

Bearbeitete Knochen.

Unter den wenigen bearbeiteten Knochen wären ein durchbohrter und dorsal abgeschliffener Astragalus vom Schaf aus 7685:55:2 (Spielstein und/oder Anhänger) und zwei Drechslereiabfälle aus 7685:113:2 und 7685:137:2 hervorzuheben. Letztere Stücke, die aus benachbarten Loci stammen, zeigen eine weit gehende Übereinstimmung: aus einem platten und dünnen Knochenstück wurden kleine Scheiben oder Ringe herausgedreht, wobei das Werkzeug von beiden Seiten angesetzt wurde.

 

 
 
 
Kategorie
Berichte 2013
Angelegt von
Dr. Günther Karl Kunst
Anlage
25.11.2014 10:45
letzte Änderung
25.11.2014 10:46
durch
Pavol Hnila
   
 

 

 

© Oymaagac-Nerik-Forschungsprojekt 2005 - 2015      |      erstellt von datalino 2008 - 2015      |      Kontakt      |      Impressum