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Bericht Tierknochen 2015

Bericht Tierknochen 2015

Bericht Tierknochen 2015

Günther Karl Kunst

 

Während des Aufenthaltes im Grabungshaus vom 3. bis 28. Juli 2015 konnten 4546 Tierreste mit einem Gesamtgewicht 13149,5g aufgenommen werden. Diese können 109 Kontexten aus insgesamt 3 Quadranten zugeordnet werden. Hierbei wurden zunächst noch 54 Proben aus dem bereits 2012 und 2013 weitgehend abgeschlossenen Quadranten 7685 untersucht. Weiters gelangten alle 82 derzeit zugänglichen Proben aus dem westlich benachbarten Quadranten 7585 zur Bearbeitung. Schließlich konnten noch sieben Proben aus dem nördlich anschließenden Quadranten 7586 aufgenommen werden.

 

Quadrant 7685

Der in einer gemischten Probenkiste verwahrte Rest aus diesem im Eingangsbereich des Gebäudes gelegenen Quadranten umfasste insgesamt 262 Tierreste mit einem Gewicht von 1146,4g. Bei den 109 Loci handelt es sich überwiegend um die niedrigen Nummern im Bereich von 1 bis 40, die deshalb auch die obersten Abhübe, unter anderem aus dem Humus, umfassen. Auf die Größengruppen Schaf/Ziege-Schwein und Rind entfielen jeweils 60 und 26 Reste, weitere 35 Reste waren nur grob als Säugetierreste einordenbar. Es verbleiben somit 141 Reste, die einer näheren taxonomischen Kategorie zuordenbar waren. Auf die wichtigen Wirtschaftstiergruppen entfallen nun die folgenden Fundzahlen (Fundgewichte): Rind 28 (478,1g), Schaf/Ziege 80 (234,9g), Schwein 21 (96,1g). Vom Rind sind kaum vollständige Knochen vorhanden, es fanden sich vorwiegend kleinere Fragmente wie Schaftsplitter und lose Zähne. Tatsächlich stellt ein Halswirbelfragment mit 40g bereits das schwerste Stück aus diesem Untersuchungsbereich dar. Auch beim kleinen Hauswiederkäuer machen Kiefer- und vor allem Zahnreste mit 30 Stücken etwas weniger als die Hälfte des Fundgutes aus. Neben einigen vollständigen Kurzknochen sind vorwiegend Rippenfragmente vorhanden, während Langknochen und Wirbel stark zurücktreten. Bis auf zwei Mandibel- und einen Metatarsus handelt es sich durchwegs um Kleinfragmente mit weniger als 10g. Bemerkenswert sind zwei Nachweise von neonaten oder foetalen Resten (Calcaneus, Metacarpus). Beim Schwein erscheint die Skelettverteilung vergleichsweise ausgewogen. Hier fällt auf, dass rund ein Viertel der Funde von neonaten oder jedenfalls von sehr jungen Tieren stammt: die zwei schwersten Funde, eine Mandibel und eine Scapula, machen bereits mehr als die Hälfte des Fundgewichts der Schweinereste aus.

Bereits die Fundcharakteristika der Wirtschaftstiere zeigen, dass es sich beim Großteil des Fundgutes um taphonomisch sehr stark beanspruchtes Material handelt. Von den übrigen Haustierarten ist vor allem ein größerer Equide, als wahrscheinlich das Pferd, mit fünf Resten belegt. Davon fanden sich allein vier Stücke, darunter ein kompletter Oberkiefer(prä)molar sowie zusammengehörige Handwurzelknochen, in der eisenzeitlichen Grube Locus 7685:032. Ein weiterer Equidenrest kann ebenfalls einer eisenzeitlichen Grube zugeordnet werden. Eine andere eisenzeitliche Grube (Locus 7685:044) enthielt den bemerkenswerten Fund eines Schneidezahns eines Braunbären. Aus einer Grabverfüllung (Locus 7685:010) stammt dagegen ein kompletter Halswirbel von einem Hundeartigen, der aufgrund seiner Größe einem Wolf zugeordnet werden kann. Im Übrigen liegt noch der, leicht pathologisch veränderte, Lumbalwirbel eines Rothirsches aus der Grube Locus 7685:027 vor. Dieser Hirschwirbel trägt zudem eine deutliche Hackspur. Einige wohl zusammengehörige Teile vom Skelett eines Froschlurchs konnten im Bereich des Grabes Locus 7685:008 aufgesammelt werden. Bearbeitete Knochen liegen aus diesem „Nachtrag“, im Unterschied zum vorher durchgesehenen Material aus 7685, nicht vor.

 

Quadrant 7585

Dieser Quadrant umfasst Räume des Südostflügels des Tempels, er lieferte wahrscheinlich deshalb eine besonders ergiebige Probengemeinschaft. Untersucht wurden die Locusnummern aus dem Bereich 7585:002 bis 188, es dürfte sich dabei um die Gesamtheit des 2013 und 2014 geborgenen Materiales handeln. Mit einer Fundzahl von 3593 Resten (9186,7g) liegt hier die überragende Mehrheit des in der diesjährigen Saison untersuchten Materials vor. Tatsächlich erscheint aber die Artendiversität innerhalb der ca. 1800 näher bestimmbaren Reste eher gering. Dies liegt an der weitgehenden Dominanz der kleinen Hauswiederkäuer, die mit 1244 Resten die überwiegende Mehrheit der bestimmbaren Funde und mit 3820,2g mehr als ein Drittel des gesamten Fundgewichtes ausmachen. In diesem Quadrant tritt ein Vergesellschaftungstyp auf, der fast ausschließlich von Knochen dieser Gruppe aufgebaut wird. Das Hausrind folgt mit 189 Resten (2265,6g) weit abgeschlagen, ebenso das Hausschwein mit 168 Nachweisen (603,5g), wenn man den Skelettfund aus 7585:067 außer Acht lässt.  

Aus dieser Fläche liegen daher Proben vor, die fast vollständig von Resten der Kleinwiederkäuer aufgebaut werden, und zwar in noch stärkerem Ausmaß, als dies aus der Gesamtstatistik hervorgeht. Als bezeichnende Vertreter dieses Typs von Knochenvergesellschaftungen wären die Locus-Nummern (ergänzen 7585; in der Folge ohne Quadrantennummern) 113 (Verfüllung Raum 3), 123 (Verfüllung Raum ohne Fußboden), 132 (Verfüllung Korridor mit Kalkfußboden), sowie die zusammen hängenden Nummern 140, 156 sowie 166 (Abtrag im Raum LGR:0025) zu nennen. Diese reichen, (spät)bronzezeitlichen Proben enthalten neben den vorherrschenden  Knochen von Schaf und Ziege konstante, geringe Anteile von Rind und Schwein. Ziemlich stetig sind Einzelfunde von Hasen- und Vogelresten, sowie von bearbeiteten Knochen, beigesellt. Die Kleinwiederkäuerreste zeigen, im Vergleich zu den Wirbel- und Rippenanhäufungen in 7383 und 7685, eine eher ausgeglichene Skelettverteilung, und vielfach ist eine geringe, gleichmäßige Hitzebeeinflussung zu erkennen. Die durchschnittliche Fragmentgröße ist aber, bei meist guter Erhaltung, gering und nur Kurzknochen sind vollständig erhalten. Die starke, einheitliche Strukturierung dieser Proben lässt an einen gleichartigen, wahrscheinlich raschen Entstehungsprozess, etwa im Rahmen von Festmählern, denken. So enthalten die zusammenhängenden, sehr einheitlich gestalteten Proben aus den Loci 140, 156 und 166 allein rund 1150 Knochen. Zu klären wäre weiters die Bedeutung des Auftretens von menschlichen Resten in einigen der hier als „gesichert“ bzw. „geschlossen“ betrachteten Befunde (123, 156, 166). 

Ein abweichendes taphonomisches Milieu ist z.B. durch die Loci 133 (Packung der Verfüllschichten im Innenhof) und 143 (Raum mit Kalkfußboden) repräsentiert, in denen auch größere Knochen vorkommen und das Rind daher besser vertreten ist. Eine stärkere Hitzebeeinflussung ist in den Loci 144 (Brandschutt), 154 (Mauer mit sekundär verbrannten Lehmziegeln) und 158 (verbackene Raumverfüllung) zu verzeichnen.

Als einzige weitere Haustiergruppe sind die Equiden mit einem Zahn und einem Tibiafragment aus anderen als den genannten, materialstarken Fundeinheiten (093, 118) vertreten. Unter den Wildsäugetieren ist das Wildschwein durch zwei Gliedmaßenelemente (067, 151), der Hirsch aber nur durch einen bearbeiteten Geweihrest (140) belegt. Weiters ist ein sehr großwüchsiges Canidenmetapodium vorhanden, das darum sicher einem Wolf zugeordnet werden kann (151). Neu für Oymaagac sind zwei Nachweise von Resten der Wildkatze (067, 166). 067 (die Grubenverfüllung mit dem Ferkelskelett) und die Verfüllung 151 enthielten sogar zwei Wildsäugerreste. Mit Ausnahme der Katzenfunde treten also viele Wildsäugetiere eher außerhalb der oben beschriebenen, strukturierten bronzezeitlichen Proben auf. Lediglich der Hase und die Wildvögel, von denen insgesamt jeweils acht Beobachtungen vorliegen, bleiben vorwiegend auf diese vermutlichen feasting-Reste beschränkt. Mit Ausnahme der Landschildkröte (zwei Nachweise) sind die Vorkommen der übrigen Artengruppen (Kleinsäuger, Blindmaus, Froschlurche) eher auf Intrusiva als auf Nahrungsabfälle zu beziehen. Bei den Weichtierfunden handelt es sich um die Gehäuse von Weinbergschnecken, aber auch um Schalenklappen von marinen Muscheln. Von letzteren gelangen drei Beobachtungen in den Loci 132, 144 und 156, also durchaus im Bereich der spätbronzezeitlichen, strukturierten Raumverfüllungen.

An bearbeiteten Knochen konnten insgesamt zehn Stücke erkannt werden. Es handelt sich hierbei vorwiegend um geglättete, abgesägte oder geschnitzte Schaftfragmente von Langknochen oder Metapodien von Schaf/Ziegengröße (Loci 140, 151, 156, 166). Aus Locus 139 liegt ein aus einem Knochen von Rindergröße gefertigter Knochenstab vor. Das einzige vollständige Stück ist ein an beiden Enden verrundeter Abschnitt einer Rinderrippe aus Locus 143, hier ist noch ein weiteres, bearbeitetes Rippenfragment vorhanden. Neben dem Geweihstück scheint noch ein weiterer Wildtierrest, ein sehr großwüchsiges Radiusfragment von einem Wildschwein aus Locus 67 Bearbeitungs- oder Gebrauchsspuren aufzuweisen.

Im gleichen Befund (Locus 67; Schicht in Grube beim südlichen DZ-Grab) wurde das (Teil)skelett eines juvenilen Schweins angetroffen. Dieses Schwein war jedoch vor seiner Niederlegung manipuliert worden. Dies geht aus Hackspuren auf der Ventralseite des Epistropheus (zweiter Halswirbel) und regelmäßigen, zangenartigen (?) Eindrücken auf der Unterseite der Unterkiefer hervor, was an eine beabsichtigte, vielleicht „rituelle“ Deponierung dieses Tierkörpers denken lässt.

Die Dokumentationslage für Zerlegungsspuren ist dank der meist guten Oberflächenerhaltung ausgezeichnet. Knapp 1% der Rinderreste und 0,6% der Kleinwiederkäuerreste lassen anthropogene Marken erkennen. Interessanterweise überwiegen bei Schaf und Ziege die Hackspuren (48 Nachweise) über die Schnittspuren (25).  

Den Proben aus dem Quadranten 7585 kommt, aufgrund des vielfach starken „Signals“ in der Tierknochenführung, bei der Interpretation der Tierreste aus dem Bereich des bronzezeitlichen Gebäudes sicher eine besondere Stellung als Bezugspunkt zu.  

 

Quadrant 7586

Nach der geophysikalischen Prospektion umfasst dieser Quadrant vor allem die östliche Ecke des Hofbereiches des bronzezeitlichen Gebäudes. Das bisher untersuchte Material stammt aus eisenzeitlichen Gruben und bronzezeitlichen Verfüllschichten und ist daher entsprechend heterogen gestaltet. Beispielsweise enthielten die eisenzeitlichen Grubenverfüllungen etwas größere Fragmente mit Gewichten von über 20 bis 60g, wie dies auch in anderen Quadranten bereits beobachtet werden konnte (z.B. Locus 7586:024 und 028). Die bronzezeitlichen Proben ähneln im Charakter mehr den beim Nachbarquadranten 7585 beschriebenen Raumverfüllungen (z.B. Locus 7585:069), mit einer Dominanz von Kleinwiederkäuern und einigen Nachweisen von Hasen- und Schildkrötenresten sowie von bearbeiteten Knochen. Unter den rund 450 näher zugeordneten Resten fanden sich sonst keine neuen Arten. Drei interessante Vogelreste, bei denen es sich teilweise um Knochen von Haushühnern handeln könnte, stammen aus eisenzeitlichen Grubenverfüllungen.

 

Fundzahlen und -gewichte (g) Quadrant 7585

 

 

 

 

n

g

Anmerkung

Bos

Hausrind

189

2265,6

 

Ovis / Capra

Schaf / Ziege

1244

3820,2

 

Sus

Hausschwein

168

603,5

 

Sus

Hausschwein

73

90,8

Skelett

Größe Bos

 

213

822,9

 

Größe Ovis / Sus

1461

1125,9

 

Equus

Equide

2

95,9

 

Sus scrofa

Wildschwein

2

32,9

 

Cervus

Hirsch

1

11,4

 

Canis lupus

Wolf

1

3,5

 

Felis

Wildkatze

2

1,9

 

Lepus

Hase

8

10,2

 

Spalax

Blindmaus

1

0,8

 

übrige Kleinsäuger

40

1,3

 

Mammalia indet.

118

70,3

 

Homo

Mensch

44

190,6

 

Aves

Vögel

8

2,4

 

Testudo

Landschildkröte

2

6,6

 

Anura

Frösche

9

0,5

 

Mollusken

Weichtiere

7

29,5

 

Summe

 

3593

9186,7

 

 

 

 
 
 
Kategorie
Berichte 2015
Angelegt von
Dr. Günther Karl Kunst
Anlage
24.11.2015 12:33
letzte Änderung
24.11.2015 12:36
durch
Pavol Hnila
   
 

 

 

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