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Die Vegetation von Vezirköprü-Oymaagaç (Nord-Türkei)

Einleitung – Untersuchungsgebiet

In einem ersten vegetationskundlichen Survey wurden die großflächig im Raum Vezirköprü – Oymaagaç und angrenzende Gebiete auftretenden Wald- und Gebüschforma-tionen und deren aktuelle Artenzusammensetzung, Struktur und Verbreitung erfaßt und klassifiziert.

Das Untersuchungsgebiet liegt im zentralen Bereich der Pontiden (mittleres Nordanatolien) in dem die meernahen Randketten des Gebirges einen typischen Mittelgebirgscharakter aufweisen und selten Höhen über 1700 m erreichen. Diese Gebirgsschwelle mit geringer Stauwirkung wird von wasserreichen Stromtälern (z. B. Kızılırmak, Yeşilırmak) durchschnitten, jenseits derer nur noch vereinzelte Gebirgsstöcke bis in die hochmontane Stufe reichen (Kunduz Dağı westlich Vezirköprü, Kara Ömer Dağı bei Ladik). Die gesamte Region ist durch das Aufeinandertreffen dreier großer, sehr unterschiedlicher Klimate gekennzeichnet, die sich hier mosaikartig verzahnen und in den intermontanen, prä-pontischen Quertälern und Beckenlandschaften durchdringen. Dabei fällt auf, dass das typische humide Schwarzmeerklima (euxinisches Buchenwaldklima1, pontische Variante2), das durch ganzjährig hohe Niederschläge (700-1300 mm), eine fehlende Sommerdürre und milde Winter (selten Frost, Winterextreme nur ausnahmsweise unter –8°C) gekennzeichnet ist, hier zurücktritt und durch ein eher subhumides, mediterran geprägtes Klima (subeuxinisches Eichenwaldklima3, eu-Mediterrane Variante4) ersetzt wird. Merzifon und Çorum weisen dagegen bereits ein charakteristisches xero-Euxinisches Steppenklima (inneranatolische Variante5) mit einem ausgeprägten kontinentalen Temperaturregime und sehr kalten Wintern auf.

Generell ist eine klar höhenabhängige Vegetationsabfolge innerhalb der pontischen Randketten und der intra-euxinischen Gebirgsketten erkennbar. In der unteren Stufe (< 750 m) dominieren Waldgesellschaften, die pflanzensoziologisch dem Carpino-Acerion Verband der Querco-Carpinetalia Ordnung zugeordnet werden können. Die obere Stufe (> 750 m) wird bereits durch Fagus orientalis dominiert. Diese Gesellschaften lassen sich dem Crataego-Fagion Verband der Rhododendro-Fagetalia orientalis Ordnung eingliedern. In den landwirt-schaftlich intensiv genutzten und zersiedelten Beckenlandschaften und in den Zwischentälern des Untersuchungsgebietes ist diese potenzielle natürliche Vegetation weitgehend zerstört und durch Kulturland und Ersatzgesellschaften ersetzt. Umfassende Aufforstungen mit Pinus nigra var. caramanica komplizieren die Situation erheblich: ... „There is a whole gamut of variants and degraded stages ranging from the pure Fagetum to the Carpineto-Quercetum, which replaces the beech forest as long as man intervenes in the latter’s natural rehabilitation.“6

 

Botanik
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Die pflanzensoziologischen Aufnahmen des Vegetationssurveys im Herbst 2005 verdeutlichen, dass im Untersuchungsgebiet deutlich unterscheidbare Einheiten auftreten, deren Diversität, Struktur und Verbreitung heute im wesentlichen durch die Tätigkeit des Menschen bestimmt werden. Diese Einheiten umfassen

(1) Wälder, Offenwälder und Aufforstungen
Carpino-Quercetum cerridis7 (inkl. Quercus petraea subsp. iberica Wald sensu Mayer & Aksoy 1986)
Galio odorati-Fagetum orientalis8
Junipero-Pinetum nigrae9 und Pinus-‚Forste’

(2) Gebüsche
Fragmente und devastierte Ersatzgesellschaften des Carpino-Quercetum cerridis
Devastierte und extrem überweidete Gebüsche (inkl. Juniperetum oxycedri sensu Zohary 1973, nom. nud.)
Arbutus andrachne-Phillyrea latifolia Gesellschaft10

(3) Insel- und linienhafte Fragmente des Carpino-Quercetum cerridis im Kulturland (‚wild orchards’)

 

1 H. Mayer/ H. Aksoy Wälder der Türkei, Stuttgart (1986)
2 M. Zohary, Geobotanical foundations of the Middle East, 2 vols., Stuttgart-Amsterdam 1973
3 Mayer/Aksoy, a.O.
4 Zohary, a.O. 1
5 Zohary, a.O.
6 Zohary, a.O., 114
7 H.G. Kutbay/M. Kilinç (1995): Nebyan Dağı (Samsun) ve Çevresinin vejetasyonu üzerinde fitososyolojik ve ekolojik bir araştırma. – Turk. J. Bot. 19: 41-63.
8 F.Özen/M. Kilinç, The flora and vegetation of Kunduz forest (Vezirköprü/Samsun). – Turk. J. Bot. 26 (2002) 371-393
9 Özen & Kilinç a.O.
10 O. Ketenoğlu/Y. Akman/M. Aydoğdu A phytosociological research on the maquis formation in the West Black Sea Region. – Comm. Fac. Sci. Univ. Ankara C/1 (1983) 11-19.

 

 
 
Einleitung – Untersuchungsgebiet
 
Ergebnisse - Vegetation
 
Frühholozäne und potenzielle natürliche Vegetation
 
 
Kategorie
Berichte 2005
Angelegt von
Harald Kürschner
Anlage
29.12.2007 01:46
letzte Änderung
25.02.2008 18:49
durch
Prof. Dr. Rainer M. Czichon
   
 

 

 

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