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Die schriftlichen Quellen der späthellenistischen und römischen Zeit

Tønnes Bekker-Nielsen, Institut für Geschichte der Süddänischen Universität (SDU), Kolding, hat die schriftlichen Quellen der späthellenistischen und römischen Zeit bearbeitet mit besonderem Hinblick auf die Topographie und den rechtlichen Status der römischen Stadt Neapolis/Neoklaudiopolis, die vermutliche Nachfolgesiedlung von Oymaağaç. Das genaue Verhältnis zwischen dem hellenistischen Dorf Phazemôn und die Stadt Andrapa/Neapolis bleibt noch zu klären, besonders den Sinn von Strabons Behauptung, Andrapa liege ”κατὰ Φαζημω̃να κώμην”. Κατά kann sowohl „nahe“ als „unter“ bedeuten; im zweiten Falle wäre Φαζημω̃ν κώμη also „oberhalb“ Andrapa zu suchen, wobei Oymaağaç Höyük als eine von mehreren Möglichkeiten in Frage käme. Auch die Schicksal der Nachbarstadt Laodikeia/Ladik ist unklar: noch im Späthellenismus, d.h. unter Mithradates Eupator, wurden hier Münzen geprägt, aber aus der Folgezeit gibt es keine Zeugnisse für eine selbständige Laodikeia mehr. Ist Laodikeia, wie die meisten Forscher es vermuten, im Zuge der Neuordnung Pompeius‘ untergegangen und ihr Territorium an das von Neapolis geschlagen worden? Zu diesem Problematik konnte eine genauere Untersuchung der Straßenverläufe und Meilensteinfunde (s. unten) hilfreich sein.

Die Inschriften der Stadt Neoklaudiopolis bestätigen deren Status als Polis mit Stadtrat und Volksver-sammlung (boulê kai dêmos). Münzen wurden im Namen der Stadt geschlagen, mit großer Wahrschein-lichkeit von herumreisenden Münzmeistern (wohl aus Amaseia kommend); diese Frage konnte durch eine numismatische Untersuchung der Stempelkoppelungen mit anderen pontischen Münzstätten geklärt werden. Anhand der Meilensteininschriften lässt sich feststellen dass die Stadt Neapolis/Neo-klaudiopolis die Verantwortung für die Fernstraße Amaseia-Sinope auf der Teilstrecke zwischen Thermae (Havza) und dem Halysübergang trug, dazu offensichtlich auch für die Straße aus Thermae Richtung Nordosten nach Amisos und möglicherweise auch für die Straße ostwärts an Laodikeia vorbei nach Neokaisareia; wenn letzteres der Fall wäre, ließe sich an eine Einverleibung vom Stadtterritorium Laodikeias in das von Neapolis/Neo-klaudiopolis schließen. Die Nebenstraßen der Region sind nicht inschriftlich bezeugt, aber es lässt sich vermuten, dass ein Teil davon an die Fernstraße SO-NW orientiert war, andere aber an den Flussübergang bei Neapolis/Neoklaudiopolis. Diese wie anderen Fragen zur Topographie der Region lassen sich nur durch eine nähere Untersuchung der Gelände sowie evtl. unpublizierte Inschriften (man denke hier besonders an Meilensteine) beantworten.

 

 
 
 
Kategorie
Berichte 2009
Angelegt von
Prof. Dr. Tonnes Bekker-Nielsen
Anlage
11.11.2009 22:20
letzte Änderung
08.03.2010 21:34
durch
Prof. Dr. Rainer M. Czichon
   
 

 

 

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